Bezugskosten: Wie Sie mit Swaps oder Caps Ihre Bezugskostenkalkulation sicher fixieren
2 Strategien im Rohstoff-Risikomanagement
Die Weltwirtschaftskrise hat uns in den letzten Monaten bzw. Jahren viel Negatives gebracht: Rückgängiges bzw. negatives Wirtschaftswachstum oder Unternehmensinsolvenzen seien hier nur als 2 der vielen Folgen genannt. Was bleibt, sind die Lehren, die man aus solchen Krisen ziehen kann. Eine Lehre ist definitiv, dass das Thema Risikomanagement nun mehr und mehr in den Fokus zu rücken ist! Ein bedeutender Punkt ist hierbei die Volatilität der Bezugskostenkalkulation.
Betrachtet man z. B. die Rohstoffmärkte, so ist in den letzten 5 Jahren eine sehr hohe Volatilität in den Preisen zu erkennen. Der Bezugspreis für Brent-Öl schwankte z. B. zwischen 35 USD/Barrel im Tief und knapp 150 USD/Barrel im Hoch. Bei den Buntmetallen sind ähnliche Entwicklungen der Bezugskosten zu finden. Wurde das Industriemetall Nickel im Mai 2007 noch mit einem Preis von über 50.000 USD/t gehandelt, fiel der Nickelpreis aufgrund der Finanzkrise nahezu senkrecht und hielt erst bei unter 10.000 USD/t.
Das sind nur 2 Beispiele von vielen, die die hohe Schwankungsbreite der Bezugskosten am Rohstoffmarkt verdeutlichen sollen.
Wie kann sich ein Unternehmen, das von den Rohstoffpreisen abhängig ist, gegen solche Volatilitäten am Markt sichern? Nachfolgend werden die gängigsten Absicherungsstrategien an den Rohstoffmärkten vorgestellt.
Bezugskostenkalkulation - Absicherungsstrategien
Die am häufigsten gewählte Absicherungsstrategie ist eine finanzielle Festpreisvereinbarung mit Barausgleich (Swap).
1. Swap
Bei finanziellen Festpreisgeschäften mit Barausgleich fixiert ein Unternehmen einen festen finanziellen Bezugspreis für seinen physisch benötigten Rohstoff bei einer Bank.
Im Rahmen dieses Geschäftes bezahlt das Unternehmen einen Festpreis und erhält im Gegenzug von der Bank den monatlichen variablen Rohstoff-Durchschnittspreis erstattet.
Dabei kann das Unternehmen die Laufzeit des Absicherungsgeschäftes frei und individuell bestimmen. Die üblichen Laufzeiten variieren zwischen 3 und 24 Monaten.
Während der Sicherungsperiode wird der monatliche variable Durchschnittspreis des Rohstoffes dem Festpreis gegenübergestellt. Kommt es zu Abweichungen der genannten Preise, erfolgen monatliche Ausgleichszahlungen zwischen den Vertragsparteien (Unternehmen und Bank).
Beispiel: Ein Metall verarbeitendes Unternehmen kauft einen Nickel-Swap für den Absicherungsmonat Dezember 2010 und zahlt an seine Bank einen Festpreis von 16.000 €/t.
Das Unternehmen erhält von der Bank den variablen Nickelpreis der London Metal Exchange (LME) erstattet. Der Einkauf bei den Lieferanten erfolgt weiterhin zum variablen Preis. Das Unternehmen erreicht durch den Kauf des Nickel-Swaps eine Fixierung seiner Bezugskosten für Nickel.
Im Dezember 2010 steigt der durchschnittliche Nickelpreis auf 16.500 €/t. Die Bank zahlt an den Metallverarbeiter eine Ausgleichszahlung am 2. Bankarbeitstag des Folgemonats - Januar 2011 - in Höhe von 500 €/t (16.500 €/t - 16.000 €/t).
Betrachtet man nicht nur das finanzielle Absicherungsgeschäft mit der Bank, sondern auch das physische Grundgeschäft (Einkauf des Nickels), ergeben sich folgende Konstellationen:
Das Unternehmen bekommt eine finanzielle Ausgleichszahlung aus dem Festpreisgeschäft aufgrund des gestiegenen Nickelpreises. Dadurch muss das Unternehmen mehr für seinen Nickeleinkauf bezahlen. Der Mehraufwand für den physischen Nickelbezug wird durch die Ausgleichszahlung aus dem Absicherungsgeschäft kompensiert.
Das Unternehmen zahlt eine finanzielle Ausgleichszahlung aus dem Festpreisgeschäft. Der Bezugspreis für eine Tonne Nickel ist gefallen. Der Mehraufwand für die Ausgleichszahlung wird durch den günstigeren physischen Nickeleinkauf gedeckt.
Vorteile / Chancen des Swap-Geschäfts
- Fixierung der Bezugskosten von Rohstoffen.
- Das Unternehmen schafft eine bessere Planbarkeit der Beschaffungskosten.
- Das Unternehmen ist keinen Marktschwankungen ausgesetzt.
- Es muss keine Prämienzahlungen leisten.
- Die finanzielle Absicherung ist losgelöst vom tatsächlichen (physischen) Rohstoffbezug.
- Der Kontakt und die vertragliche Bindung zu seinen bisherigen Lieferanten bleiben weiterhin erhalten.
- Der Einkauf generiert höhere Margen für sein Unternehmen.
- Es entstehen klare Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitkonkurrenten ohne Einkaufspreis-Absicherung.
Nachteile / Risiken des Swap-Geschäfts
- Bei fallenden Rohstoffpreisen muss das Unternehmen Ausgleichszahlungen aus dem Festpreisgeschäft leisten
- Das Unternehmen partizipiert nicht an den fallenden Rohstoffpreisen.
2. Option - Cap
Eine weitere Absicherungsvariante ist der Cap. Die Funktionsweise des Caps kommt einer Versicherung gleich. Durch eine Prämienzahlung des Unternehmens wird ein maximaler finanzieller Nickeleinkaufspreis zwischen den Vertragsparteien vereinbart. Die Obergrenze kann vom Unternehmen frei vereinbart werden. Die Optionsprämie hängt nicht nur von der Höhe der gewählten Obergrenze ab, sondern auch von anderen Faktoren wie Volatilität und Laufzeit.
Während der Sicherungsperiode wird der monatliche Durchschnittspreis des Rohstoffes der Obergrenze gegenübergestellt. Liegt am Ende des Monats der variable Durchschnittspreis über der gewählten Obergrenze, bekommt das Unternehmen von seiner Bank eine Ausgleichszahlung in Höhe des Differenzbetrags.
Liegt am Ende des Monats der variable Durchschnittspreis dagegen unter der gewählten Obergrenze, lässt das Unternehmen den Cap verfallen und kauft den Rohstoff zum niedrigeren Marktpreis ein.
Beispiel: Ein Metall verarbeitendes Unternehmen kauft einen Nickel-Cap für den Absicherungsmonat Dezember 2010 mit einer Obergrenze von 18.000 €/t und zahlt an seine Bank eine einmalige Prämie von 1.000 €/t.
Der Einkauf bei den Lieferanten erfolgt weiterhin zum variablen Preis. Das Unternehmen erreicht durch den Kauf des Nickel-Caps eine Fixierung seiner Bezugskosten für Nickel bei maximal 18.000 €/t. Bei niedrigeren Nickelpreisen kann der Kunde daran partizipieren, indem er sein Nickel günstiger an den Märkten einkauft.
Im Dezember 2010 steigt der durchschnittliche Nickelpreis auf 20.000 €/t. Die Bank zahlt an den Metallverarbeiter eine Ausgleichszahlung am 2. Bankarbeitstag des Folgemonats - Januar 2011 - in Höhe von 2.000 €/t (20.000 €/t - 18.000 €/t).
Vorteile / Chancen des Cap
- Fixierung der Bezugskosten von Rohstoffen durch absolute Preisobergrenze.
- Schaffung einer erhöhten Planbarkeit im Unternehmen. Die maximalen Bezugskosten setzen sich aus dem Strike Preis zuzüglich der Optionsprämie zusammen.
- Das Unternehmen partizipiert weiterhin an der günstigen Preisentwicklung.
- Die finanzielle Absicherung ist losgelöst von ihrem tatsächlichen (physischen) Rohstoffbezug.
- Der Kontakt und die vertragliche Bindung zu seinen bisherigen Lieferanten bleiben weiterhin erhalten.
- Der Einkauf generiert höhere Margen für sein Unternehmen.
- Es entstehen klare Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitkonkurrenten ohne Einkaufspreis-Absicherung.
Nachteile / Risiken des Cap
- Das Unternehmen muss eine Prämie für die Sicherung der Obergrenze bezahlen.
- Es erfolgt keine Rückerstattung der Prämie.
Fazit: Entscheidend für die richtige Risikoabsicherung eines Unternehmens sind eine klare Marktmeinung des Unternehmens und die Auswahl des dazu passenden Absicherungsinstruments.
Bei vorherrschender Marktmeinung von steigenden Preisen empfiehlt sich die Absicherung über eine Festpreisvereinbarung (Swap). Das Erreichen einer festen Kalkulationsbasis wird ohne eine einmalige Prämienzahlung erreicht. Die zu erwartenden höheren physischen Bezugskosten werden durch die Ausgleichszahlungen aus dem finanziellen Sicherungsgeschäft kompensiert. Aufgrund der Unabhängigkeit der finanziellen Absicherung vom physischen Geschäft kann der Kunde seinen Lieferanten frei bestimmen und somit zum günstigsten Preis beziehen.
Unternehmen, deren Strategie eine Überwälzung der Preise auf die Endkunden nicht vorsieht, die jedoch bei sinkenden Preisen Nachlässe gewähren müssen, können auf die Absicherung über einen Cap zurückgreifen. Hierfür bezahlen sie, wie bereits erwähnt, die Optionsprämie, partizipieren jedoch weiterhin unbegrenzt an fallenden Rohstoffpreisen. Diese können sie an ihre Endkunden weitergeben.
Die beiden vorgestellten Produkte werden bei der Absicherung von Rohstoffpreisrisiken zu ca. 95 % herangezogen. Es handelt sich um Standardprodukte, die absolute Transparenz und Einfachheit garantieren. Selbstverständlich gibt es auch Produkte, die aus einer Kombination von mehreren Optionen zusammengesetzt werden und eine Bandbreitenabsicherung ermöglichen (Collars, Zero-Cost-Collars).
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