Drohende Lieferanteninsolvenz und was Sie dagegen tun können
5 Handlungsoptionen bei drohender Lieferanteninsolvenz
Die Bonitätsprüfung bei Aufnahme der Lieferantenbeziehung reicht nicht aus
Im Jahr 2009 gab es landesweit 32.930 Unternehmens-Insolvenzen. Im 1. Halbjahr 2010 meldeten 17.360 Unternehmen Insolvenz an. Das waren 7,1 % mehr als im selben Zeitraum 2009.
Bonitäts-Check ist zu wenig
Reichte früher eine Bonitätsbewertung vor Aufnahme der Geschäftsbeziehung, muss heute nach zeitnäheren Wegen zur Erkennung und Abwendung eines Risikos wie der Lieferanteninsolvenz gesucht werden. Das gestaltet sich schwierig, da die Bonitätsauskunft immer eine Rückschau ist, nicht aber aktuelle, sich gerade entwickelnde Probleme anzeigt. Denken Sie hier zum Beispiel an lieferantenseitige Portfolio-Verschiebungen oder aktuelle Auftragsverluste durch Preiserosion.
Beachten Sie dabei auch die Tatsache, dass durch eigene Rückgänge im Einkaufsvolumen möglicherweise eine Aufweichung der Multi-Sourcing-Regel stattgefunden hat.
Lieferantenreduktion
Nicht zu vergessen sind auch die Effekte aus eigenständig betriebenen Lieferantenreduzierungs-Programmen. Nimmt man noch die sehr komplex gewordenen administrativen Zulassungsverfahren (Zertifizierungen, Freigabedauer usw.) und die heute weit gehende Reduzierung von Sicherheitsbeständen hinzu, wird die Bedeutung einer Lieferantenpflege/eines Lieferanten-Monitoring zur Sicherstellung der eigenen Lieferfähigkeit sichtbar.
Lieferanten-Monitoring
Sieht man von einem systematisierten Monitoring durch das Finanzwesen ab, bleibt die Frage, welche Form des Monitoring für den Einkauf nützlich sein kann. Idealerweise kommt es zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Finanzwesen und der Logistik, um zeitnahe, schnelle Informationen aus der interdisziplinären Praxiszusammenarbeit dieser Fachfunktionen nutzen zu können.
Hierzu gehören im besonderen Maße auch die so genannten Softfacts im Umfeld der täglichen Zusammenarbeit, die Aufschluss darüber geben können, ob beim Lieferanten eine Liquiditätskrise bevorsteht die zu einer Lieferanteninsolvenz führen kann (z. B. Materialvorfinanzierungen, Materialbeistellungen, Zahlungsziele, sich aufbauende, anhaltende Lieferrückstände usw.).
Maßnahmen vor der Krise
Das Management einer Lieferantenkrise bedarf einer eigenen Organisations- und Handlungsstruktur:
- Koordinator für den Krisen-/Insolvenzfall bestimmen (intern/extern)
- Prozessabläufe und Kommunikation im Fall der Krise/Insolvenz des Lieferanten im Vorfeld erarbeiten
- konkretes Team benennen (Task-Force)
- frühzeitiges Einbeziehen der Fachfunktionen
- erforderliche Informationen sammeln (bewertbar auf Auswirkungen, kommerziell und strategisch)
- Unterrichtung der Geschäftsleitung
- Externe juristische Beratung
5 Handlungsoptionen bei Lieferanteninsolvenz
Lieferantenwechsel:
Das erfordert Ersatz-/Übergangslieferanten, die kurzfristig Kapazitäten bereitstellen können und sämtliche Anforderungen (Qualität, Logistik, Kundenakzeptanz ...) erfüllen.
Sanierungsbeteiligung:
Dafür muss es erst einmal ein tragfähiges Sanierungskonzept geben. Zusätzlich müssen die finanziellen Möglichkeiten bzw. die Bereitschaft zur Mithilfe vorhanden sein.
Verkauf an Dritte:
Der Lieferant muss zum Verkauf bereit und es muss ein Kaufinteressent vorhanden sein.
Kauf durch Kunden:
Kann ein operativer Turnaround überhaupt bewerkstelligt werden, und ist die Integrationsfähigkeit gegeben? Kann der Kunde/Auftraggeber die nötigen Finanzmittel aufbringen? Stimmen Gesellschafter, Kunden, Behörden ... zu?
Insolvenz ist unabwendbar oder schon eröffnet:
Optionen sind dann der Insolvenzplan, Übertragung/Verkauf aus der Insolvenz, Restproduktion oder die Liquidation.
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