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Hintergrund: Wie lange reicht das Öl noch?

veröffentlicht am 16.06.2011 unter Einkauf
Je nachdem, wer fragt, reichen die Schätzungen von 20 bis über 50 Jahre. Die üppigsten Zahlen präsentieren natürlich die 6 Branchenriesen BP, ExxonMobil, Shell, Chevron, Total und ConocoPhillips. Doch hinter verschlossenen Türen spielen auch sie längst Szenarien durch, wie eine Welt ohne Öl funktionieren könnte.
Aus Angst um ihre Börsennotierungen präsentieren sie sich in der Öffentlichkeit aber als Daueroptimisten. Sie geben nicht gern zu, dass die meisten ihrer großen, einfach zu erschließenden Ölfelder allmählich erschöpft sind.

Zwar gibt es alternativ eine Vielzahl kleinerer Quellen, die aber brauchen auch eine Vielzahl neuer Ausrüstungen und Transportwege, für die gigantische Summen bereitgestellt werden müssen.

Bei Technologie und Erschließung im Rückstand
Wegen dieser Kosten und aus Angst, Ölpreise und Nachfrage könnten wie in den 1980er Jahren einbrechen und sie säßen auf vollen Lägern, zögerten die Konzerne die Erschließung neuer Förderstätten immer wieder hinaus. Auch technologisch sind sie nur unzureichend auf den gegenwärtigen Öl-Boom vorbereitet.

Überall mangelt es an modernen Maschinen, Fachkräften und Materialien. Neben einer erhöhten Nachfrage und politisch bedingter Krisen (Nigeria, Libyen) geht aber gerade dieser Investitionsstau auf das Konto hoher Ölpreise.

Die Top 10 der Ölreserven
Ende Februar gab Venezuela der überraschten Fachöffentlichkeit bekannt, nach eigenen Schätzungen über die weltweit größten Ölreserven zu verfügen, noch vor
  • Saudi-Arabien (21 % der globalen Reserven),
  • dem Iran (11 %)
  • und Irak (9 %).
Vorausgesetzt, diese Meldung ist kein Propagandatrick von Machthaber Hugo Chávez (bislang fehlt nämlich eine unabhängige Zertifizierung), ergibt sich folgendes Reserve-Ranking:
  1. Venezuela: 296,5 Mrd. Barrel
  2. Saudi-Arabien: 264,6 Mrd. Barrel
  3. Iran: 137,6 Mrd. Barrel
  4. Irak: 117 Mrd. Barrel
  5. Kuwait: 101,5 Mrd. Barrel
  6. Vereinigte Arabische Emirate (VAE): 97,8 Mrd. Barrel
  7. Russland: 72,2 Mrd. Barrel
  8. Libyen: 44,3 Mrd. Barrel
  9. Kasachstan: 39,8 Mrd. Barrel
  10. Nigeria: 37,2 Mrd. Barrel
Erdöl-Reserven erhöht
Laut British Petroleum (BP) haben sich die weltweit nachgewiesenen Erdöl-Reserven innerhalb der letzten 30 Jahre von 910 Mrd. Barrel (= 159 Liter) auf gegenwärtig rund 1.238 Mrd. Barrel erhöht. Spitzenreiter ist der Nahe Osten mit einem Anteil von mehr als 60 %.

Seit 1980 wird mehr Erdöl verbraucht als neu gefunden
So gestehen die Briten auch in seltener Offenheit ein, dass die erhöhten Reservezahlen nicht über die geringe Zahl der Neufunde hinwegtäuschen dürften. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wird da wesentlich deutlicher und meint, dass bereits seit den 1980er Jahren weltweit mehr Erdöl verbraucht als neu gefunden werde. Dieser Verbrauch sei in den vergangenen 30 Jahren geradezu explodiert. Die BGR beziffert das Plus mit knapp 160 % auf rund 31 Mrd. Barrel pro Jahr.

Wann gehen die Lichter aus?
Eingedenk sich abflachender Verbrauchskurven seit 2007 (hier machen sich steigende Gas- und Kohleanteile sowie alternative Energieträger bemerkbar) rechnet der britische Energiekonzern BP damit, dass die globale Erdölförderung mit heutiger Technik spätestens 2052 komplett zum Erliegen kommt. Müssten die einzelnen Regionen ausschließlich mit ihren eigenen Erdöl-Reserven auskommen, wären die Vorräte erschöpft:
  • in Fernost (asiatisch-pazifischer Raum) in 4 bis 5 Jahren
  • in Nordamerika in weniger als 8 Jahren
  • in Eurasien in 20 Jahren
  • in Nahost in 334 Jahren