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Lesen Sie in dieser Ausgabe von Einkauf heute:

Einkauf in Fernost - was sparen Sie wirklich?

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Kostendruck steigt, Ihre Geschäftsleitung erwartet von Ihnen, dass Sie noch günstiger als sonst einkaufen. Hersteller aus Fernost locken mit günstigen Preisen, so mancher Einkäufer bekommt glänzende Augen, wenn er die Preise der Hersteller in China, Vietnam und anderen asiatischen Lieferländern sieht. In der Tat bietet der Einkauf in Fernost echtes Sparpotenzial, so die Aussage  einer aktuellen Studie, die die Kölner Einkaufsberatung Inverto bei 89 mittelständischen Unternehmen durchführte. Die Mittelständler - überwiegend aus der Maschinenbau- und Automobilbranche mit einem Jahresumsatz zwischen 100 und 750 Millionen Euro - wurden im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Seminar für "Supply Chain Management und Management Science" der Universität zu Köln zu ihren Erfahrungen mit China Sourcing befragt.

Laut Studie schafft rund ein Drittel der Firmen über 25 % Kostenersparnis, mehr als 11 % Einsparung erreichen die meisten; 72 % der Befragten gehen von einem steigenden Einkaufsvolumen in China aus. Doch der Einkauf im Reich der Mitte ist mit vielen Hürden verbunden, besonders bei der Kontinuität einer guten Qualität von Produkten chinesischer Lieferanten, beim Schutz des geistigen Eigentums sowie bei der Kommunikation und im Beziehungsaufbau zu den chinesischen Zulieferern drückt der Schuh, so die Studie.

Einkaufsexperte Jens Holtmann meint: Damit der Einkauf in Fernost sich auch wirklich lohnt, gilt es, die Gesamtkosten genau im Auge zu behalten. So manches vermeintliche "Schnäppchen" hat sich im Nachhinein als Kostenmonster herausgestellt. Lesen Sie heute im ersten Beitrag, wie Sie sich mit der Total-Cost-of-Ownership-Methode vor unangenehmen Kosten-Überraschungen schützen.

Unser Tipp: Nicht nur im internationalen Einkauf gilt es, die Augen aufzuhalten und über die eigene Branche hinauszuschauen. Erfahren Sie in unseren kostenlosen Spezial-Newslettern, welche Themen derzeit im Verkauf heiß gehandelt werden. Was die Kollegen im Marketing brennend interessiert. Wir bieten Ihnen jede Woche wertvolle Informationen, die Ihnen einen schnellen Überblick über die aktuellen Trends und Entwicklungen in Sachen Logistik, Werbung, Verkauf und Vertrieb geben.

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Bettina Steffen, Chefredakteurin "Einkauf heute"

 
Internationaler Einkauf: Gesamtkostenvergleich statt reinem Preisvergleich

Erfahrungsberichte in Fachmedien haben den Importeinkauf wieder zu dem gemacht, was er ist - eine von vielen lohnenden Beschaffungsmöglichkeiten. Vorausgesetzt, Sie beachten ein paar unumstößliche Regeln.

Praxis-Beispiel: Faktor Einkaufsvolumen
Für ihr neu eröffnetes Geschäft benötigte eine Floristin Kunstblumensträuße. Da ihr deutsche Produkte zu teuer waren (Stückpreis 2 bis 4 €), suchte sie nach Alternativen in China und fand schließlich in der Nähe von Shanghai einen Lieferanten. Dessen Blumen kosteten umgerechnet nur 50 Cent. Ein Schnäppchen - dem reinen Einkaufspreis nach. In ihrer Importrechnung vergessen hatte die Unternehmerin aber, dass sie nur Kleinstmengen pro Monat benötigte. Die Logistikkosten fraßen ihren Einkaufsgewinn mehr als doppelt auf.

Beispiel-Importkostenrechnung (gerundet)
400 Sträuße (15 Kartons): 200 €
UPS (Shanghai–Ravensburg): 500 €
Einfuhrabgaben: 128 €
Summe: 828 €

Beachten Sie: In dieser Beispielrechnung sind Qualitätsparameter oder das Problem der Lieferpünktlichkeit noch nicht einmal berücksichtigt.
Fazit: Bei kleinen Mengen im Niedrigpreissektor lohnen Importe aus Übersee wegen der unverhältnismäßig hohen Frachtkosten nicht. Alternativen bieten hier die benachbarten Mittel-Ost- Europäischen Länder (MOE).

Die TCO-Methode

Ohne alle Kosten genau berechnet zu haben, die vor, durch und nach der Bestellung einer Ware im Ausland anfallen, sollte eigentlich kein Einkäufer auf Beschaffungstour gehen. Mit der Total-Cost-of-Ownership-Methode (TCO) kommen Sie dabei am weitesten. Diese Methode berücksichtigt:

1. Direkte Einkaufskosten

  • Produkt/Materialpreis, Versicherungsprämien
  • Frachtkosten wie Verpackung, Transport, Zwischenlagerung usw.
  • Verzollung und Einfuhrgebühren, inklusive Kosten für die Dokumentation
  • Qualitätsprüfung
  • Kosten für Agenten/Dienstleister vor Ort
  • Akkreditivkosten
  • Währungsschwankungen
  • Wareneingangsprüfung
  • Fehlmengenkosten bei Sachmängeln und Rücksendungen
  • Zusatzkosten für erhöhte Ausschuss- und Retourenquote
  • Lieferverzugskosten
  • individuelle Risikoaufschläge
2. Indirekte Einkaufskosten
  • vor der Bestellung (Länderanalyse, Lieferantenanalyse, Lieferantenbesuche, Erstmusterprüfung und Freigabe, Qualitätsprüfung vor Ort, Vertragsmanagementkosten, TCO-Analysekosten u. a.)
  • nach der Bestellung (Lagerkosten, Kapitalbindungskosten, Entsorgungskosten, Fehlmengenkosten etc.)
Praxis-Beispiel: Bequemlichkeit
Aber nicht nur Anfänger schießen bei ihren Importstrategien so manchen Bock, auch gestandene Einkäufer sind vor Fehlern nicht gefeit. So hatte ein norddeutscher Spritzguss-Hersteller den TCOPunkt 'Transportkosten' mit der Zeit total aus den Augen verloren. Seit Jahren bezog er Plastikteile aus Vietnam, die er in 40-Feet-High-Cube-Containern nach Hamburg verschiffen ließ (Warenwert 22.000 €). Ebenfalls seit Jahren managt ein in Ho Chi Minh-Stadt ansässiger Dienstleister alle Frachtaufgaben. Bis März 2009 verlangten die Vietnamesen rund 2.000 $ für den Container-Transport – die der norddeutsche Einkäufer, ohne sich die Rechnungen näher anzusehen, auch stets treu und brav bezahlte. Der marktübliche Preis war zu dieser Zeit aber längst auf rund 500 $ gefallen.

Fazit: Mit einer einmaligen Analyse ist es nicht getan. Importkonditionen müssen immer wieder kritisch unter die Lupe genommen werden. Denn Bequemlichkeit und Nachlässigkeit machen einstmals günstige Kostenvorteile schnell zunichte.

Praxis-Beispiel: Faktor verdeckte Kosten

Ein Sprichwort sagt nicht umsonst: Kleinvieh macht auch Mist. Und wie viel sich da summieren kann, musste ein Einkäufer aus Chemnitz erfahren. Er hatte bei einem chinesischen Lieferanten eine Maschine bestellt. Der Preis war sensationell, Verladung und Verschiffung perfekt, im Konnossement (Seeladeschein, engl.: Bill of Lading = B/L) war jedoch ein "Local charges at destination, including delivery order fees" vereinbart. Im Klartext hieß das für den sächsischen Einkäufer, er hatte in Hamburg an nicht kalkulierten Hafenkosten zu zahlen:
  • 61,50 € Less Container Load (LCL)
  • 48,58 € Anleger-Gebühren
  • 11,28 € International Ship and Port Facility Security (ISPS)
  • 45,00 € Delivery Order Fee (D/O)
  • 82,00 € China Service Import Fee (CISF)
  • 45,00 € Lagerkosten (da er die 3 Tage Lagerfeldfrei des Hamburger Hafens überschritten hatte) 
Fazit: Ein anderes Sprichwort sagt: Wer billig kauft, kauft zweimal – ob er nun bei der mangelnden Qualität draufzahlen muss oder bei den versteckten Kosten.

Quelle: Einkaufsmanager
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Zoll: Was bringt der neue Kodex?

Die Mühlen der EU-Bürokratie arbeiten halt langsam. Im Juni 2008 wurde der neue Zollkodex veröffentlicht. Mit ihm sollen in vier Jahren die Rechtsvorschriften vereinfacht und die Zollverfahren gestrafft werden. Von diesen Neuerungen profitieren dann nicht nur die Behörden, sondern auch die Unternehmen, speziell die Im- und Exporteure.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
Allein der Entwurf der Brüsseler Kommission umfasst 64 Seiten (www.stuttgart.ihk24.de) Geplant sind darin u. a.:
  • Elektronische Zollanmeldungen werden zur Regel (Papieranmeldungen zur Ausnahme).
  • Zollanmeldungen entfallen, wenn die Behörden Zugriff auf entsprechende Firmendaten haben.
  • Einführung von so genannten One-Stop-Shops, die alle Zollaufgaben übernehmen.
  • Die Zollschuld entsteht am Sitz des Anmelders.
  • Vereinfachte Verfahren, z. B. muss sich die Ware nicht mehr am Ort der Zollanmeldung befinden.
  • Abrechnung am Ort der Zollanmeldung für die gesamte EU.
  • Gesamtsicherheit für verschiedene Zollverfahren möglich.
  • Erlöschen der Zollschuld bei Aufgabe, Beschlagnahme oder Wiederausfuhr.
  • Gemeinschaftswaren werden Nichtgemeinschaftswaren, wenn sie in ein Nichterhebungsverfahren überführt werden.
Quelle: Globaler Einkauf aktuell

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